Wahrhaftigkeit
Posted on: 17. Februar 2016
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Sicherheit bei der Kapitalanlage – Eine Illusion!
(… oder was niemand sich Ihnen zu sagen traut)

Zu den Hauptwünschen von InvestorInnen gehört: ”Ich will aber nichts verlieren – Vor allem sicher muss es sein.”
Verabschieden Sie sich von diesem Wunsch. Er ist eine Illusion. Für jede, aber auch wirklich jede Investition gibt es nicht unwahrscheinliche Szenarien, die zu Verlusten, teilweise zu Totalverlusten, führen können. Sicherheit gibt es nicht, man kann nur versuchen sich diesem Zustand anzunähern.

Gehen wir die gängigen Kapitalanlagen einmal im Einzelnen durch (Stand 2016-01-29):


1) Sparbuch oder Tagesgeldkonto: aktuelle Verzinsung = 0,1 – 1 % ggf. mit 25 % Kapitalertragssteuer zu versteuern

Dagegen die offiziellen Preissteigerungen 2015: 0,3 %-0,5 %
Bei einer nur gering anziehenden Inflationsrate wird diese Kapitalanlage ein garantiertes Minus einfahren. Nicht nominal, aber zumindest kaufkraftbereinigt. Nominal droht dann ein Verlust, wenn sich zunehmend Negativzinsen durchsetzen sollten. Die nächste ernste Gefahr für diese Anlage kommt aber aus Europa. Durch die geplante Bankenunion wird der Einlagensicherungsverein als Garantiegeber wertlos, an seine Stelle soll ein europäisches System treten. Wie solvent dieses dann sein wird, bleibt abzuwarten. Ab 2017 könnte ein verändertes Steuersystem in Deutschland drohen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Zinserträge dann in naher Zukunft mit dem persönlichen Spitzensteuersatz zu versteuern sind.

2) Deutsche Staatsanleihen

Die Verzinsung bei 10-jähriger Laufzeit liegt bei etwa 0,175 %.
Hier liegt der Kaufkraftverlust oberhalb der Verzinsung. Also ein negativer Realzins und das sogar vor Steuern.
Aber auch hier gibt es, dank Europa, wichtige juristische Änderungen:
Die Einführung der CAC-Klausel, d.h. bei Zustimmung von 75 % der GläubigerInnen können die Vertragsbedingungen einer Anleihe neu bestimmt werden (Schuldenschnitte sind jetzt einfacher durchzuführen).
Nun könnte man sagen, 75 % ist eine echte Hürde. Mitnichten, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) den Großteil der Papiere ankauft. Im Falle Italiens hält sie von den neuemittierten Papieren etwa 50 % (ca. 100 Mrd. Euro)

3) Immobilien und/oder Immobilienfonds

Eine der Lieblingsanlagen der Deutschen – “Betongold”
In Deutschland ist die Welt, zumindest in Ballungsgebieten, noch in Ordnung. Deutliche Wertsteigerungen sind in den letzten Jahren zu erzielen gewesen, die aber auch der anhaltenden Niedrigzinsphase zu verdanken sind. Was passiert mit den Immobilienpreisen, wenn die Zinsen wieder steigen? – Befindet sich der Immobilienmarkt in einer Blase? Eine Investition in Immobilien kennt viele Risiken:

  • Was passiert, wenn der Mieter nicht mehr zahlt?
  • Was ist mit staatlich verordneten Sanierungskosten?
  • Was ist bei Steuererhöhungen auf Immobilienbesitz?
  • Langfristig ist auch der demografische Wandel zu berücksichtigen.
  • Was ist mit Zwangshypotheken bei großen Verwerfungen am Finanzmarkt?

4) Lebensversicherungen und Bausparverträge

Beide haben die Schwierigkeit teilweise mehr Zinsen ausschütten zu müssen, als sie heute am Markt selber realisieren. Eine Zeitbombe. Der Gesetzgeber kennt dieses Problem und hat schon mal reagiert und den Paragraphen 89 VAG am 21.06.2010 verabschiedet. Darin heißt es: “[…] Alle Arten Zahlungen, besonders Versicherungsleistungen, Gewinnverteilungen und bei Lebensversicherungen der Rückkauf oder die Beleihung des Versicherungsscheins sowie Vorauszahlungen darauf, können zeitweilig verboten werden. […]”
Dass die Inflation an den Ergebnissen empfindlich nagt, muss ebenfalls nicht weiter erwähnt werden.

5) Aktien und Aktienfonds

Das Timing, die richtige Auswahl der Länder, die Auswahl der richtigen Unternehmen, so vieles ist zu beachten, um am Aktienmarkt erfolgreich zu sein, und das ist bei weitem noch nicht alles: Wirtschaftszyklen müssen beobachtet, Blasenbildungen erkannt, der demografische Faktor in den einzelnen Ländern berücksichtigt werden und, und, und….
Als Privatanleger hat man es nicht leicht an diesem Markt zu bestehen. Die Gegner sind mächtig: Marktmanipulation, z.B. von offizieller Seite (Plunge Protection Team) oder von privater Seite (Hochfrequenzhandel), sowie Insiderhandel etc.
Viele PrivatanlegerInnen meiden daher diese Anlageklasse – ein Fehler ?!

6) ETFs, Indexfonds, Derivate, Zertifikate etc.

Seit 2008 kennt wohl jeder den Begriff “Emittentenrisiko”. Wie bonitätsstark sind die VertragspartnerInnen, denen ich mein Geld anvertraue, eigentlich? Bei Zertifikaten, Derivaten etc. kaufen Sie sich zusätzlich dieses Emittentenrisiko ein, oftmals nur mit dem einen Vorteil für den Kunden, dass diese Investments günstiger bei den Verwaltungskosten sind. Aber Vorsicht: Viele Emittenten sind weniger solvent als man es glauben mag!
Um den Unsinn deutlich zu machen: Angenommen Sie wären auf der Titanic gebucht: Was wäre Ihnen lieber? Ein Rettungsring in der Hand oder ein Zertifikat auf einen Rettungsring in Ihrem Depot?

7) Geschlossene Fonds und Beteiligungen

Diese Produkte, die ein Investment in gute Geschäftsmodelle versprechen, haben einen riesigen Haken: Über 70 % aller geschlossenen Fonds haben, aufgrund ruinöser Kostenstrukturen zugunsten der Initiatoren, eigentlich keine Chance jemals Gewinne abzuwerfen. Einige wenige gute und seriöse (etwa 6 %) gibt es aber trotzdem – man weiß es nur oft erst hinterher.

8) Gold, Edelmetalle oder allgemeiner: Rohstoffe

Seit 2012 dauert nun der deflationäre Zyklus an. Rohstoffe, ob Gold oder Öl haben kräftig verloren. Die Versuchung Rohstoffe nach 2008 im Depot zu übergewichten war, aufgrund der Gelddruckversprechen der Notenbanken, groß. Die meisten Analysten sind von einer Verschärfung der Inflation ausgegangen. Nun, das Gegenteil war der Fall. Nicht wenige Produktinitiatoren haben die Angst vor massiver Geldentwertung ausgenutzt und deutlich überteuerte Rohstoffprodukte auf dem Markt platziert. Sogar einiges an gefälschtem Gold wurde angeboten bzw. erfolgreich verkauft. Es gibt auch nicht wenige, die befürchten, dass bei einem Zusammenbruch des Finanzmarktes, Gold einfach konfisziert, verboten oder hoch versteuert wird. Rohstoffe, ein ganz besonders reizvoller Markt, der viel Erfahrung benötigt.

Allgemein gilt: Auf dem Finanzmarkt sind viele GaunerInnen unterwegs. Sie sitzen in den Chefetagen von Banken genauso wie an der Spitze von Produktinitiatoren.
GaunerInnen bei den Banken? Na klar, erinnern Sie sich an den Libor-Zinsskandal? Wo Banken oder genauer Banker zu ihren eigenen Gunsten manipulieren können, da tun sie es auch! Und dann sind da noch die Notenbanken. Sie manipulieren die Märkte nach Belieben. Verändern Wechselkurse, fluten die Märkte mit Geld oder trocknen diese aus.

Sie haben es als PrivatinvestorInnen wirklich nicht leicht dauerhaft eine positive Performance zu erzielen. Sicherheit gibt es nicht, man kann nur versuchen sich diesem Zustand anzunähern:

  1. mit Hilfe vertrauensvoller Partner
  2. hohe Diversifikation
  3. Fehlervermeidung bzw. -reduzierung

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